Es gibt eine Erklärungslücke im deutschen Pfad der Energiepolitik: Was machen wir, wenn das Wetter nicht mitspielt? Und zwar nicht für ein paar Stunden, sondern so, wie im letzten November, für Tage und Wochen.
Batterien
Grob überschlagen:
| Deutschland benötigt im Jahr etwa | 560 TWh |
| Mit Elektrifizierung (Verkehr, Industrie, Wärme) zukünftig | 1.200 TWh |
| Tagesbedarf zukünftig | über 3 TWh |
| Strombedarf für 10 Tage Dunkelflaute | 33 TWh |
| Benötigte PKW-Akkus vgl. (70 kWh pro Auto) | 470 Mio. |
| Vergleich: mehr als X-mal weltweiter E-Auto-Bestand | 5× |
| Kosten bei 30$/kWh (ohne Netz etc.) | 1.000 Mrd. $ |
| Lebensdauer der Akkus | ~20 Jahre |
Hinzu kommt: Eine Dunkelflaute-Überbrückung muss gerade im Winter immer verfügbar sein. D.h. diese Akkus können eben nicht netzdienlich und damit wirtschaftlich betrieben werden - es ist ja ein Notfallbackup.
Die Energie zum Laden muss auch aufgebracht werden. Selbst wenn wir die 1.200 TWh bilanziell erneuerbar erzeugen wollten, müssten wir hierfür Sonne- und Windanlagen vervierfachen.
Massiver Überbau
Da die Akkuoption zunehmend als unrealistisch anerkannt wird, bleibt als Argument: EE überbauen.
Haben wir an einem Dunkelflaute-Tag noch, mit Glück, 5% EE-Leistung im Netz, wären das bei 1.200 TWh Jahresbedarf und heutigen Anlagen nur 2,5% des Tagesbedarfs. Das bedeutet: Wir müssten Faktor 20-40 überbauen, um wenigstens 50% des Strombedarfs in Dunkelflaute-Tagen zu decken.
Was heißt das konkret? 20-40 mal so viele Windräder und Solaranlagen wie heute (wo soll das alles hin?). Bei einer Anlagenlebensdauer von 20-30 Jahren müssten wir dann jedes Jahr (!) so viel EE zubauen wie in den letzten 20 Jahren zusammen.
Die Rechnung: Die Energiewende hat bisher Hunderte Milliarden gekostet. Sehr optimistisch gerechnet geben wir also künftig jedes Jahr mindestens 100 Milliarden für diesen Überbau aus. Für eine vierköpfige Familie bedeutet das: 400 Euro pro Monat, nur für die Aufrechterhaltung dieses gigantischen Überkapazitäts-Parks.
Traumtänzerei
Nichts davon ist realistisch, es ist nicht mal unrealistisch - es ist Traumtänzerei. In einem SciFi-Roman würden die Fans dem Autor auf der Comic-Con die Logikfehler vorhalten.
Wir machen das aber für eine Industrienation. Und wenn man das ausdiskutiert, landet man im Zweifelsfall argumentativ bei magischem Wasserstoff, der auf einmal aus Pipelines zum Selbstkostenpreis sprudelt. Jede Sekunde!
Die Vordenker dieser Energiewende (Hallo, Volker Quaschning!) prognostizierten das bereits für 2025, wie wir sehen, ist nichts davon wahr geworden. (Folie 34: https://www.volker-quaschning.de/publis/vortraege/Vortrag_Beckmann-Akademie_2010.pdf). Auch die Kugel Eis ist nicht wahr geworden.
Rein gar nichts ist in dieser „Energiewende" wahr geworden - nur das, worum es in Wirklichkeit ging: Aus vom Atom um jeden Preis. Der Preis ist eben gewesen: russisches Gas, Deindustrialisierung, dreckiger und teurer Strom. Der Rest ist Geschwätz und Umetikettierung.
Zukunft
Es bleiben zwei Szenarien:
A) Massive fortschreitende Deindustrialisierung und Wohlstandsabbau durch steigende Energiekosten, später Knappheit bei Beibehaltung massiver Fossilverbrennerei durch Gasbackups - oder vielleicht mit weniger Backup auch mal Stromausfall im Krankenhaus an Weihnachten.
B) Das alles in die Tonne zu werfen und dogmenfrei jede (saubere) Energieform zu nutzen, die wir in die Finger bekommen.
Die unheilige Allianz
Diese Energiewende ist aber nicht gescheitert, es gibt nur eine unheilige Allianz zwischen a) denen, die es gut meinen und daran glauben, dass es klappt, und b) Degrowthern, die ganz genau wissen, was hier passiert.
Die Degrowther machen sich die, die es gut meinen, zu nützlichen Verbündeten. Hört bei den Ulrike Herrmanns und den Harald Leschs einfach hin: Sie machen doch gar keinen Hehl daraus, dass keine ICEs mehr fahren sollen, dass man auch ohne Industrie oder Arbeit glücklich sein kann. Wirtschaftswachstum ist doch ohnehin „Krebs" - wobei natürlich eine neue, mit (energieintensiver) KI entwickelte Therapie für echten Krebs zu Wirtschaftswachstum führen würde. Das soll es also alles nicht mehr geben mit Option A), es lohnt sich, den Diskurs ab jetzt ehrlich zu führen und diese unheilige Allianz auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. Wir wurden veräppelt.